Mindestlohn für Schneider?

Veröffentlicht am 26. Februar 2026 um 23:53

Mindestlohn für Schneider?

Der Mindestlohn ist in aller Munde. Seit Februar 2026 liegt er bei 13,90 € brutto. Eine wichtige Untergrenze für Angestellte – doch haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es eigentlich bei uns Selbstständigen im Handwerk aussieht?

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Schneiderei

Handwerk hat goldenen Boden?

Handwerk hat goldenen Boden? Was vom Mindestlohn in der Selbstständigkeit  wirklich übrig bleibt

Der Mindestlohn ist in aller Munde. Seit Februar 2026 liegt er bei 13,90 € brutto. Eine wichtige Untergrenze für Angestellte – doch haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es eigentlich bei uns Selbstständigen im Handwerk aussieht?

In meiner Schneiderei erlebe ich oft zwei Welten: Auf der einen Seite die Freude über ein perfekt sitzendes Kleidungsstück, auf der anderen Seite gelegentlich Unverständnis über die Preise. Sätze wie „Das ist aber teuer“ oder gar das Wort „Wucher“ fallen zum Glück selten, aber sie treffen mich. Deshalb möchte ich heute einen transparenten Blick hinter die Kulissen meiner Arbeit geben.

Die Rechnung hinter der Naht

Nehmen wir ein klassisches Beispiel: Eine Hose kürzen.
In meiner Schneiderei beginnt dieser Service ab 12 € (Stand 02/2026). Je nach Aufwand – ob Jeans mit Originalsaum, Anzughose mit Stoßband oder weite Schlaghose – benötige ich dafür zwischen 30 und 60 Minuten.

Was viele nicht sehen: Von diesen 12 € bis 22 € pro Stunde bleibt nur ein Bruchteil als „Lohn“ übrig.

  • Fixkosten:

     Heizung, Strom, Wasser und Miete für die Werkstatt.
  • Maschinenpark: Nähmaschinen müssen gekauft, gewartet und für jedes Projekt neu eingerichtet werden (Garnwechsel, Nadelanpassung).

  • Abgaben:

     Als Selbstständige gehen rund 50 % bis 75 % der Einnahmen direkt wieder weg – für Steuern, Sozialversicherungen, Altersvorsorge, Werbung und Versicherungen.
  • Risiko:

     Ich erhalte keine Lohnfortzahlung, wenn ich krank bin.

Rechnet man das alles zusammen, liegt der reale Stundenlohn oft nur zwischen 7 € und 11 €. Das ist weit unter dem gesetzlichen Mindestlohn für Angestellte.

Warum Handarbeit mehr ist als „nur eine Naht“

Wenn Sie zu mir kommen, bezahlen Sie nicht nur für die Zeit an der Nähmaschine. Sie bezahlen für:

  1. Individuelle Beratung: 

    Das Abstecken und die fachliche Einschätzung, was machbar ist.
  2. Präzision: 

    Den fachgerechten Umgang mit empfindlichen Materialien oder komplizierten Schnitten.
  3. Nachhaltigkeit: 

    Wir retten ein Kleidungsstück vor der Tonne und erhalten dessen Wert.

Wertschätzung statt „Fast Fashion“

Wir leben in einer Zeit, in der Kleidung oft extrem billig produziert wird. Ein T-Shirt kostet manchmal weniger als ein Kaffee. Dadurch ist das Gefühl für den Wert von Textilien und die Arbeit, die in ihnen steckt, verloren gegangen.

 

Die unsichtbaren Extras!

  • ✅ Individuelle Beratung & Abstecken

  • ✅ Garn, Nadeln & Spezialwerkzeug

  • ✅ Maschinenwartung & Anschaffung

  • ✅ Nachhaltigkeit (Langlebigkeit statt Müll)

 

          „Ich nähe nicht nur – ich erhalte Werte.“ ❤️

Ich liebe meine Arbeit und stecke viel Leidenschaft in jede Änderung. Aber damit ich mein Handwerk auch morgen noch anbieten kann, muss die Arbeit wirtschaftlich bleiben. Es geht mir nicht um Reichtum, sondern darum, nicht „draufzulegen“.

Wenn Sie das nächste Mal ein Lieblingsstück zu mir bringen, wissen Sie nun, was hinter dem Preis steht: Ein Stück echtes Handwerk, viel Verantwortung und die Liebe zum Detail.

Vielen Dank für Ihre Unterstützung und Ihr Verständnis!